Falsches CO2-Versprechen? Umwelthilfe verklagt Lufthansa

    Wegen CO2-Versprechen:Greenwashing? Umwelthilfe verklagt Lufthansa

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    Die Lufthansa schreibt, dass Gäste die CO2-Emissionen "ihrer Flugreise direkt an Bord ausgleichen" könnten. Die Deutsche Umwelthilfe hält das für Greenwashing - und klagt.

    Flugzeuge der Lufthansa am Flughafen Frankfurt
    Laut der Deutschen Umwelthilfe nutze die Lufthansa CO2-Kompensationsrechner in abgewandelter Form.
    Quelle: reuters

    Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat die Lufthansa wegen eines aus ihrer Sicht irreführenden CO2-Neutralitätsversprechens verklagt. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch warf dem Unternehmen am Samstag in Berlin "dreiste Verbrauchertäuschung" und "Greenwashing" vor.
    In dem von der Fluggesellschaft angebotenen Kompensationsmodell werde nur ein Bruchteil der Klimawirkungen des Luftverkehrs berücksichtigt und zudem würden ungeeignete Kompensationsprojekte verwendet.
    ZDF-Reporter Markus Wolsiffer, zugeschaltet vom Frankfurter Flughafen im Gespräch mit Moderator Carsten Rüger im Studio.
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    Lufthansa-Werbung als Klagegrund

    Hintergrund ist demnach Werbung der Lufthansa, wonach Passagiere die bei ihren Flügen entstehenden CO2-Emissionen durch einen Beitrag zu den Kompensationsprojekten vollständig ausgleichen könnten - etwa durch Investitionen in den Waldschutz oder umweltfreundlichere Kochöfen in Entwicklungsländern. Damit wird laut DUH zu Unrecht der Eindruck erweckt, die Flüge hätten dann keine schädlichen Auswirkungen auf das Klima mehr. Resch bekräftigte dazu:

    Flugreisen bleiben die klimaschädlichste Form des Reisens,

    Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe

    Die Lufthansa behaupte jedoch, dass mit wenig Geld die gesamten Emissionen einer Flugreise ausgeglichen werden könnten. "Das ist schlichtweg falsch und wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern."
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    DUH: CO2-Kompensationsbeträge bei Lufthansa geringer

    Angebote für Kompensationen des Klimaeffekts von CO2-Emissionen durch Flüge oder auch andere Reisen oder Veranstaltungen gibt es auch von unabhängigen Anbietern wie zum Beispiel Atmosfair oder myclimate. Der dabei von myclimate eingesetzte Kompensationsrechner wird laut DUH auch von der Lufthansa verwendet, aber in abgewandelter Form.
    Während myclimate in seinem Online-Angebot auch über den CO2-Ausstoß hinausgehenden Klimawirkungen einbeziehe, tue die Fluggesellschaft dies nicht. Daher seien die zu zahlenden Kompensationsbeträge bei der Lufthansa viel geringer.

    Lufthansa: Emissionen "direkt an Bord ausgleichen"

    Atmosfair weist auf seiner Homepage zudem darauf hin, dass freiwillige Kompensationen den klimaschädlichen Effekt von Flugreisen zwar mindern könnten - besser sei es aber in jedem Fall, von vornherein CO2-Emissionen und andere nachteilige Klimawirkungen zu vermeiden.
    Die Lufthansa schreibt auf ihrer Webseite: "Fluggäste der Lufthansa können die CO2-Emissionen ihrer Flugreise direkt an Bord ausgleichen." Dieses Angebot "unterstreicht die klare Strategie der Lufthansa, die Luftfahrt in eine nachhaltigere Zukunft zu führen". Möglich sind dabei laut den Unternehmensangaben neben den Kompensationsprojekten auch Zahlungen für "nachhaltigen Flugkraftstoff aus biogenen Reststoffen".
    Quelle: AFP

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